Recollection Harvest Revivew
Publication: BabyBlaue Seiten
Reviewer: Thomas Kohlruß
Country: 
"Djam Karet sind eine der spannendsten und eigenständigsten zeitgenössischen Instrumentalbands (zumindest von denen, die ich kenne).
Jedes neue Album der Band ist wie eine Reise ins Ungewisse, da man nicht vorhersagen kann, nach was der Band diesmal der Sinn
steht.
In der Vergangenheit schwankte die Band zwischen den Polen gitarrenlastigen RetroProgs und ambienten, soundscapeartigen Klangmalereien.
Und in der Regel verteilten sie diese beiden Pole der Band auf verschiedene CDs. Dies machen sie diesmal etwas anders.
"Recollection Harvest" besteht eigentlich aus 2 Alben oder vielleicht besser gesagt zwei Songzyklen. Die Titel 1 bis 5 laufen unter dem
Obertitel "Recollection Harvest" und präsentieren in der Tat mehr die retroproggige Seite der Band. Die Titel 6 bis 11 laufen unter dem
Begriff "Indian Summer" und sind mehr von der ruhigen, ambienten Seite der Gruppe geprägt.
Aber diesmal gelingt Djam Karet bei aller Schwerpunktsetzung auch die organische Verschmelzung beider Stile. Das Album beginnt sehr
ruhig, um nicht zu sagen unspektakulär. "The March To The Sea Of Tranquility" erinnert fast ein bisschen an Chamber Rock ala Univers
Zero. Andrerseits muss so ein Marsch zum Meer der Stille wahrscheinlich auch etwas ruhiger daherkommen. Dieser Anfang hat mir
allerdings das Verständnis des Albums einigermassen schwierig gemacht. So habe ich gestern noch in einem Mail geschrieben, ich weiss
nicht recht, was ich von diesem Album halten soll. Und es bedurfte einer heutigen Intensiv-Session unter dem Kopfhörer, um zu einem
Ergebnis zu kommen.
Der Songzyklus "Recollection Harvest" steigert sich von Titel zu Titel. Die Gitarre spielt zwar zurückhaltend, aber letztlich doch
dominant und verbreitet immer wieder ein crimsoneskes Feeling. Dazu kommen die von Djam Karet nun vermehrt eingesetzten
Tasteninstrumente aller Art, die das wohlige Retro-Gefühl verbreiten und ein Gegengewicht zur Gitarre setzen. Allerlei elektronische
Klänge erweitern das Klangspektrum aber hin zu psychedelisch-spacigen Klängen. Und so erfolgt hier schon die erste Synthese der beiden
Klangwelten der Band. Der Bass ist von allen Rhythmusaufgaben befreit und darf vollkommen eigene musikalische Linien verfolgen. Dabei
teilen sich Ur-Mitglied Osborne und "Neuling" Kenyon wieder die Bassarbeit, wobei mir Kenyon bei seinen Beiträgen freier und mutiger
zu Werke zu gehen scheint.
Und so entwickeln sich verhalten vertrackte, aber packende instrumentale Songs, die sich aber nur bei intensiven Zuhören offenbaren,
aber dann vielerlei Genüsse bereithalten. Mit dem Titeltrack ist dann schliesslich der fast schon in Bombast ausbrechende Höhepunkt
dieses Zyklus auch erreicht.
Nach einer längeren Pause beginnt "Indian Summer" (sowohl der Song an sich, wie auch der so betitelte Zyklus) mit sehr elektronischen
Klängen. In der zweiten CD-Hälfte setzen Djam Karet mehr auf akustische Gitarren gepaart mit elektronischen Soundscapes. Aber auch hier
werden mit dem ekszessiven Einsatz vor allem des Mellotrons und orgeligen Klängen sowie dann doch wieder spacigem Gitarrengeriffe auch
die Klangwelten der retroproggigen Bandseite integriert.
Während Chuck Oken in der ersten Hälfte passend zur Ausrichtung eher rockig trommelt, tut sich in der zweiten Hälfte des Albums auch
auf Percussionseite deutlich mehr und es werden immer wieder ethno-artige Tribaldrums eingestreut.
Letzlich präsentieren Djam Karet ein ungeheuer reifes, relaxtes, filigranes Instrumentalalbum, welches intensives Zuhören (Kopfhörer
empfohlen) mit einem erfüllenden Genuss belohnt. Die beiden Spielarten der Band werden hier geschickt integriert und auch wenn mir
sicherlich die proggig-rockigere Seite der Band näher liegt, hält auch die andere Hälfte einiges an spannender Musik bereit. Langeweile
macht sich zu keiner Zeit breit. Ausprobieren sehr empfohlen ;-)
Abgerundet wird das Album übrigens von einem sehr schönen Artwork, aber das nur nebenbei."
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